Marianne Hagemann stellt "Spirit Birds" in der Kunstgrenze Galerie aus

Die Bilder von Marianne Hagemann sind als Metaphern zu lesen, als sinnenhaft gestaltete, häufig in schwebender Leichtigkeit erscheinende Zeichen, deren Aura sich öffnet für mitschwingende Bedeutungen. In ihrer metamorphischen, poetischen Verdichtung sind sie der Poesie verwandt, einer Quelle der Inspiration der Künstlerin. Sie repräsentieren jene geistigen Räume, in denen die Suchbewegungen von Marianne Hagemann ihren Ausgang nehmen.

Diese sich im Bildnerischen zwischen Spontaneität und Formbewusstsein äußernden Suchbewegungen sind Ausdruck eines tieferliegenden Bedürfnisses: Der existenziellen Grundfrage des Menschen nachzuspüren, seinem Woher und Wohin. Philosophie und Dichtung, insbesondere auf Fragen des Sehens ausgerichtete Studien und Gedichte der Lyrikerin Hilde Domin beschreiben den Horizont, vor dem sich die gedankliche Auseinandersetzung der Künstlerin mit den Grundfragen des Seins bewegt.

Poetisierung bedeutet im malerischen Zusammenhang, dass sich das Dingliche aus der Konzeption transparenter Farbschichten, Farbbezüge und farblicher Bewegungswerte formuliert. Dabei erweist sich die Beziehung zwischen Form und Bildraum als zwingend. Die visuelle Dynamik der Farbbeziehungen wandelt Hell-Dunkel-Kontraste, Kühle und Wärme in Nähe und Ferne, in gegenseitiges Steigern und Abschwächen, in Momente der Schwere und Passagen des Aufstrebens. Die Farbe Weiß wirkt auratisierend und bewirkt in ihrer Tendenz zur Ausdehnung eine Anmutung von Zeitlosigkeit, Licht und Stille; Verfestigung und Verflüssigung der Farbe wirkt im Wechsel form- und raumbildend zugleich.

Text Bernd Storz

Spirit Birds von Philippe Mahler

In einer riesigen Wolke über dem Meer erhebt sich ein strahlender Vogel.
Spirit Birds von Philippe Mahler, Acryl auf Leinwand, 2020

Spirit Birds von Martine Bellen

Martine Bellen has been a recipient of the Queens Art Fund, New York Foundation for the Arts, the Fund for Poetry, and the American Academy of Poets Award and has received a residency from the Rockefeller Foundation at the Bellagio Center in Bellagio, Italy. Bellen is a contributing editor of the literary journal CONJUNCTIONS. www.martinebellen.com

Jürgen Kempter in der Kunstgrenze Galerie

wir freuen uns, Jürgen Kempter in der aktuellen Ausstellung "Spirit Birds" in unserer Kunstgrenze Galerie auszustellen

"in meinem künstlerischen Schaffen lasse ich mich vor allem durch die Natur und ihre Rohstoffe inspirieren. Dabei widme ich mich vorrangig dem Werkstoff Holz. Seine gewachsene Form, die gleichzeitig Stillstand und Vergänglichkeit symbolisiert, regt mich zur Weiterverarbeitung an."

Kreuzlingen verunstaltet Kunstgrenze zum Monsterzaun

 

Aus Angst vor der Ausgangssperre hatte der Stadtpräsident von Kreuzlingen entschieden, den Doppelzaun an der Kunstgrenze errichten zu lassen. Als Schutzmassnahmen standen im März 2020 mehrere Varianten zur Auswahl. Die Stadt hatte sich für diesen Monsterzaun entschieden! Seit Wochen wird nun demonstriert und die Bilder des Doppelzauns auf Schweizer Seite kursieren weltweit in den Medien.

 

Doppelzaun an der Kunstgrenze

Die Kunstgrenze ist ein Symbol der freundschaftlichen Beziehung zwischen Deutschland und der Schweiz. Durch den doppelten Maschenzaun wird das Kunstwerk jetzt zu einem Symbol der Angst, Abschreckung und Abgeschiedenheit. Für Künstler Johannes Dörflinger ist die Einsperrung seiner Skulpturen ein Alptraum:  Als ob man zu Corona-Zeiten einen Spuck-Wettbewerb austragen wollte. Auf der einen Seite der Gitterzäune Lamas und auf der anderen Seite Alpakas, die ihre Viren verbreiten wollen.  Doch es ist ja nur ein Alptraum. Am Grenzzaun treffen sich vor allem Familien und Paare, die sich sehen und umarmen wollen. Wegen der Grenzschliessung aber nicht dürfen.

Der doppelte Zaun ist gemäss Dörflinger Stiftung nicht nur eine unangemessene Schutzmassnahme gegen die Ausbreitung von Covid-19, sie verletzt auch die Urheberrechte des Künstlers. Deshalb fordert die Dörflinger Stiftung beim Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) den sofortigen Abbruch des Zauns auf Schweizer Seite. Bei der Stadt Kreuzlingen hatte die Stiftung bereits vor einer Woche darum gebeten, dass der Zaun bis zum 14. April 2020 wieder entfernt wird.

Gemäss BV 185 ist die Errichtung eines zweiten Zauns entlang der Kunstgrenze nicht verhältnismässig, zumutbar und notwendig, Die erforderliche Absperrung der EU-Aussengrenze erfolgte bereits am 16. März. Um grosse Menschenansammlungen in Kreuzlingen zu vermeiden, hätte stattdessen das komplette Seeufer abgesperrt werden müssen. Und nicht nur die Grenze zu Deutschland.

Die Errichtung des doppelten Zauns hatte vor allem in Deutschland zu einer enormen Medienresonanz geführt,  mit Tausenden von  Kommentaren in den sozialen Medien. Die Stiftung weist darauf hin, dass durch diese Massnahme auch die Urheberrechte (URG Art 67) des Künstlers verletzt wurden. Ob das jetzt gültige Notrecht soweit gehen darf, ist fraglich. Es entspricht ja so zu sagen einer „Entartung der Kunst“.

Traurig. Durch diese einschneidende Massnahme sind viele Menschen an der Grenze zwischen Kreuzlingen und Konstanz, zwischen Deutschland und der Schweiz betroffen und leiden. Zum Schutz der Bevölkerung. In diesem Zusammenhang weist die Stiftung auf die Petition „Grenzen öffnen für binationale Paare und Angehörige 1. Grades“, welche sich in der Euregio Bodensee an alle entsprechende Bundesämter richtet.

Kann man den Bundesrat aufhalten, wenn er zu weit geht?  Bei der aktuellen Situation an der Kunstgrenze sei er definitiv zu weit gegangen, meint die Stiftung.

Müssen wir jetzt einfach nur warten, ausharren, leiden und wieder von besseren Zeiten träumen. 

Und der Vergangenheit nachtrauern:  Zum Beispiel als die Kunstgrenze bei der 22. Vollversammlung des Europarates im Palais de l'Europe in Straßburg als Dokument für ein freies Europa ohne Grenzen - und als Meilenstein in der Geschichte der nachbarschaftlichen Beziehung der beiden Länder Deutschland und Schweiz - gewürdigt wurde.  „Aufbruch zu einer neuen Grenzkultur“, lautete die Ansprache der damaligen Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz zur Einweihung der Kunstgrenze. Ihre Rede kann noch heute auf www.admin.ch heruntergeladen werden. Müsste diese jetzt nicht umgeschrieben werden, nach diesem massiven Angriff auf die Kunst?

(Facebook: Meine Kunstgrenze / my artborder)